Für Eltern
Was können Eltern tun?
Liebe Eltern,
für ein erfolgreiches Kinder – Selbstverteidigungstraining benötigen die Trainer Ihre Hilfe. Der Erfolg eines Lehrgangs, Kurses oder Trainings basiert auf ständiger Wiederholung und Überarbeitung der Trainingsinhalte. Wir vermitteln den Kindern zwar alles Nötige und mehr, aber wie bei Erwachsenen vergessen diese sehr schnell.
Sie sollten Ihr Kind nach dem Training die Erlebnisse schildern lassen und ihm aufmerksam zuhören. Das Kind erfährt so eine Wiederholung des Unterrichts, ohne dass es sich belehrt fühlt und merkt sich die Inhalte besser. Natürlich dürfen sie Ihr Kind nicht dazu „zwingen“, Ihnen Frage und Antwort zu stehen, aber lockeres Nachfragen und gewissenhaftes Zuhören sind mehr als erwünscht.
Darüber hinaus ist es zweckmäßig, von Zeit zu Zeit den Trainer aufzusuchen und ihn über die Erfolge, das Verhalten und seinen allgemeinen Eindruck zu dem Kind zu befragen. So kann er Ihnen ggf. auch Tips geben, wie Sie zusätzlich Ihr Kind schützen bzw. trainieren können.
Unter demPunkt „Prävention“ finden Sie einige Punkte, die Sie unbedingt mit Ihren Kindern besprechen sollten. Es reicht meist nicht, dass diese Punkte dem Kind einmal erklärt werden. Sie sollten sie ihm immer wieder vor Augen führen.
Vorbeugende Maßnahmen sind der beste Schutz für Ihr Kind! Bitte arbeiten Sie mit uns zusammen für die Sicherheit Ihres Kindes!
Im Folgenden finden Sie Auszüge aus der Fachliteratur über den Sexuellen Mißbauch von Kindern. Sollten Sie mehr darüber erfahren wollen, finden Sie unter dem Punkt „Adressen“ die Kontakte zum Kinderschutzbund, Bundesministerium für Familie, Semioren, Frauen und Jugend, sowie zur Polizei und zum Weißen Ring.
Vorab aber unser Rat
Mit den Auszügen möchten wir die Leser für das schwieriger Thema des sexuellen Mißbrauches an Mädchen und Jungen sensibilisieren. Wir wollen keine Angst oder gar Hysterie verursachen und bitten Sie darum, folgendes zu beachten:
Sie haben hier nur einen sehr kleinen Einblick in das leider zu große Feld des Missbrauchs an Kindern bekommen. Beurteilen, oder gar einwandfrei erkennen, können Sie dadurch einen solchen Zustand ebenso wenig wie wir. Es gibt immer eine Reihe von Verdachtsmomenten, in denen man fest davon überzeugt ist, „hier liegt ein Missbrauch vor“, oder aber nur den Verdacht hegt. Missachten Sie diesen Verdacht nicht! Versuchen Sie sich mehr Informationen zu beschaffen, überprüfen Sie das Verhalten des Kindes und der möglichen Täter. Aber Vorsicht, lassen Sie sich zu nichts hinreißen. Es gibt eine Reihe von Beratungsstellen, die ausgebildete Psychologen und erfahrene Berater haben, an die Sie sich wenden können.
Ein solcher Fall muß mit viel Feingefühl und Fachkompetenz angegangen werden. Der Ruf eines Menschen ist sehr schnell zerstört. Die Seele eines Kindes fast gar nicht mehr zu retten. Für diese Art der Beratung sind wir mit unserem Selbstverteidigungstraining nicht die Richtigen. Wir versuchen präventiv unser Möglichstes, um Kindern Erlebnisse dieser Art zu ersparen. Die psychologische Betreuung überlassen wir entsprechenden Fachleuten.
Seien Sie also vorsichtig mit Ihrem Verdacht, lassen Sie sich beraten und suchen Sie Hilfe bei z.B. den unten aufgeführten Stellen. Eine Anzeige wegen Kindesmissbrauchs kann nicht wieder zurückgenommen werden, ist aber bei entsprechender Beweislage und nach Absprache mit der entsprechenden Stelle bei der Polizei absolut notwendig!
Auszüge aus der Fachliteratur – Nur für Eltern
Die Betroffenen
„Sexueller Missbrauch durch einen Erwachsenen bedeutet für [betroffene Kinder] den abrupten Abbruch der Kindheit. Die Arglosigkeit und das Vertrauen, das sie zu der Person hatten, die sie nun plötzlich sexuell missbraucht, ist unwiederbringlich erschüttert. Mehr noch: Das Urvertrauen in die Integrität und in die Unverletzlichkeit der eigenen Person ist ihnen durch diese Erfahrung genommen. Sie haben Schwierigkeiten im Umgang mit sich selbst und mit anderen. Es fällt ihnen schwer zu vertrauen. Nähe- und Distanzprobleme begleiten sie- jahrelang, oft lebenslang.
(...) Durch den sexuellen Missbrauch werden die Persönlichkeitsgrenzen der kindlichen Opfer brutal verletzt. Sie werden zum verfügbaren Objekt der Begierde gemacht. Sie fühlen sich schutzlos ausgeliefert und benutzt, selbst wenn sie vom Missbraucher Zuwendung, Nähe und Zärtlichkeit bekommen, womöglich mit Geschenken bedacht und als Prinzessin hofiert werden. Nur zu gut kennen sie den Preis hierfür. Je länger der sexuelle Missbrauch andauert, desto mehr fühlen sie sich in ihm in-volviert – und mitschuldig, wenn sie dabei womöglich Momente der Aufwertung und der Lust erleben. Tiefsitzende Gefühle von Schuld und Minderwertigkeit sind die Folge. Sexuell misshandelte Kinder fühlen sich unentrinnbar in ein Geschehen verstrickt, das über sie hereingebrochen ist und an dem sie zu zerbrechen drohen. Wer Mädchen oder Jungen sexuelle missbraucht, raubt ihnen die Kindheit und verbaut ihnen die Lebenschancen.
Aus Angst von Entdeckung, Stigmatisierung und Strafe vergattern die Täter die missbrauchten Kinder zum Schweigen, in den meisten Fällen funktioniert dies, oft über Jahre und vielfach ein Leben lang.
Angst vor Repressionen und Scham über die erlittene Demütigung verschließen den Opfern den Mund. Auch wenn ihre Situation immer unerträglicher wird, fühlen sich viele in ihr aussichtslos gefangen. Sie möchten sie beenden, wissen aber nicht, wie. Sie brauchen dringend Hilfe – und haben Angst vor Entdeckung.“
Sexueller Missbrauch von Mädchen und Jungen
S. 25 ff.
„Es gibt kein Mädchen und keinen Jungen, die/der sich nicht gegen sexuellen Missbrauch wehrt. Doch die wenigsten können sich später noch an ihre eigenen Widerstandsformen erinnern, denn ihre kindliche Gegenwehr war zwecklos; der Täter setzte sich über sie hinweg. Und da betroffene Mädchen und Jungen zumeist die Erfahrung machen, dass die Umwelt – Mutter, Vater, ältere Geschwister oder andere nahestehende Personen – ihre aktive oder passive Gegenwehr negativ bewertet (...), wird ihre Widerstandskraft erheblich geschwächt, wenn nicht gebrochen.“
Enders, Ursula
Zart war ich, bitter war´s.
S.71
1. Traumatische Sexualisierung
2. Stigmatisierung
3. Verrat
4. Ohnmacht
Traumatische Sexualisierung
Dem Kind wird eine form der Sexualität aufgezwungen, die seinem Lebensalter unangemessen ist und das Kind in höchstem Maße verwirrt und schädigt. Dem Kind wird vermittelt, dass es Zuneigung und Nähe nur verbunden mit Sexualität erhalten kann. Gleichzeitig vermittelt der Täter dem Kind falsche Informationen über sexuelles Verhalten und Sexualmoral. Liebe Sexualität werden verwechselt, weil gelernt wurde, dass sexuelles Verhalten belohnt wird.
Stigmatisierung
Das Kind fühlt sich durch den sexuellen Missbrauch „gezeichnet“, „anders“ als die anderen Kinder. Es glaubt, dass an ihm etwas sei, das zum sexuellen Missbrauch führt. Das Kind schämt sich, entwickelt Schuldgefühle. Das Gefühl des „Andersseins“ wird noch verstärkt, wenn die soziale Umgebung bei der Aufdeckung schockiert reagiert und das Kind für verantwortlich erklärt.
Verrat
Ein sexuell missbrauchtes Kind wird vor allem in seinen emotionalen Bedürfnissen von dem Täter verraten. Die Bedürfnisse des Kindes und sein Wohlergehen werden völlig außer Acht gelassen. Verraten fühlt sich das Kind nicht nur vom Täter, sondern auch von anderen Erwachsenen, die es nicht genügend geschützt haben.
Ohnmacht
Ein Kind spürt das Gefühl der Ohnmacht, wenn es gegen seinen Willen sexuell von einem Erwachsenen missbraucht wird. Es glaubt, dass es keinen Einfluß darauf hat, was mit ihm geschieht. Es fühlt sich schwach und als „Versager“.“
Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen
Auswirkungen und Signale
„Sexuell misshandelte Kinder befinden sich zumeist in einer isolierten Situation. Sie haben nur selten Gelegenheit, sich nahestehenden Personen mitzuteilen, sich ihnen anzuvertrauen. Sie werden vom Täter unter Druck gesetzt, gezwungen, die sexuelle Misshandlung als Geheimnis zu bewahren und die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen. Daß die Kinder oft jahrelang das Geheimnis mit sich tragen, ist auf daas Abhängigkeitsverhältnis zum Täter zurückzuführen bzw. durch Macht- und Ohnmachtstrukturen zu erklären. Aufgrund des Verbots, über die sexuelle Misshandlung zu sprechen, entwickeln Kinder Mechanismen der Bewältigung oder Verdrängung. Diese Mechanismen können als Signale verstanden werden, sind aber häufig diffus, ohne klare Strukturen, so dass sie für Außenstehende schwer erkennbar werden. Auswirkungen / Signale können sich wie folgt darstellen:
Auffälliges, sexualisiertes Vokabular, sich zu Schau stellen, körperlich anbieten, unkindliche sexuelle Verhaltensweisen etc.
Verweigerung von Körperkontakt bis hin zum Schreien bei kleinsten Berührungen, Vermeidung des Betretens bestimmter Räume (Badezimmer, Bett, Schlafzimmer),
Vermeidung bestimmter Kommukikationsstrukturen etc.
Depressionen (Trauer, Resignation) und selbstverletzendes Verhalten (dem eigenen Körper Schaden zufügen durch Nägelkauen, Brand- und Stichwunden bis hin zum Suizidversuch), überwiegend bei Mädchen zu beobachten,
aggressive Verhaltensweisen gegen Personen oder Sachen gerichtet bei Jungen.
Unerklärliche Ängste, Schlafängste, Beziehungsängste bis hin zur Beziehungslosigkeit.
Sexuelle Misshandlung lässt sich nicht an stereotypen Symptomen festmachen, was Aufklärung und Abbruch einer Misshandlungssituation noch erschwert und die Gesamtproblematik verschärft. Nicht selten kommt es vor, dass Kinder versuchen, mit mehreren Signalen gleichzeitig auf ihre Situation aufmerksam zu machen, ein diffuser Hilferuf.
Strategien der Täter
Bei der Vermutung, eine sexuelle Misshandlung könnte vorliegen, richten Laien ihren Blick in erster Linie auf das Opfer, auf das Kind. Die Glaubwürdigkeit des Kindes wird überprüft. Was hat das Kind erzählt? Sind die Hinweise eindeutig? Entspringt das Gesagte nicht vielleicht einer blühenden Phantasie? u.ä.m. Die Beweislast wird damit fast ausschließlich dem Opfer zugemutet. Eine Überforderung für das Kind, eine Entlastung des Erwachsenen, der Kontaktperson, die Berührungsängste gegenüber dem Täter hat. Wie groß die Berührungsängste gegenüber „Missbrauchern“ sind, spiegelt die Fachliteratur wider, die z.Zt. nur über vereinzeltes autobiographisches Datenmaterial von Tätern verfügt, während reichhaltiges autobiographisches Datenmaterial der Opfer längst vorliegt.
Missbraucher, Gewalttäter, verraten sich in erster Linie durch ihr Verhalten dem Kind gegenüber. Wie oft sagen Dritte im Nachhinein, dass einn Täter lange schon so komisch mit dem Kind umgegangen sei, aber niemand habe sich etwas dabei gedacht (etwas dabei denken wollen). Täter prahlen nicht selten mit ihren Eroberungen und häufig sind Verhaltensweisen zu beobachten, wie unangemessene Geschenke (an ein Mädchen z.B. Lippenstift, enge Lederhose, Unterwäsche), Besuche zu Zeiten, an denen die Familie abwesend ist etc.. Opfer werden von Tätern ausstaffiert – zu Kindfrauen gemacht (Enders 1990:99; vgl. Wildwasser 1993). Erschwerend zeigt sich hier noch, dass Täter sich im Recht fühlen, die sexuelle Misshandlung maximal als einen Kavaliersdelikt ansehen verbunden mit Aussagen wie: Meine Tochter gehört mir! Ich kann mit meiner Tochter machen was ich will! Ich liebe meine Tochter!
Wie Täter sich verraten, die Jungen missbrauchen, ist ungleich schwerer zu beschreiben und bedarf vermutlich noch einer langen Diskussion in Fachkreisen.“
Sexuelle Gewalt an Kinder
S.4 ff.